Zum Abgang Hildebrands

BAZ Kolumne von Daniel Vischer | 10.01.2012 07:18.

Vor einer Woche schrieb ich von einer seltsamen Geschichte. Sie ist inzwischen zur Tragödie geworden. Was Philipp Hildebrand schlussendlich zum Rücktritt bewog, nachdem er ihn noch letzten Donnerstag vehement ausgeschlossen hatte, kann nicht endgültig beantwortet werden. Vielleicht hatte er einfach schlichtweg genug, weiterhin gejagt zu werden. Seine Handlungsfähigkeit in seinem Job als Nationalbankchef war sichtlich infrage gestellt. Deshalb war sein Rücktritt wohl auch unumgänglich.

Hildebrand war ein souveräner und fähiger SNB-Chef. Bei aller Kritik, die im Einzelnen möglich ist – späte Ansetzung einer Frankenuntergrenze etwa –, hat er die SNB im schwierigen Umfeld einer globalen Megafinanzkrise gekonnt geführt. In seinem Amt wurde er gewissermassen vom Saulus zum Paulus, indem er als ehemaliger Hedge-Fonds-Manager in seiner neuen Rolle als SNB-Chef sichtlich zum Regulierer wurde. Damit schuf er sich natürlich auch seine sattsam bekannten Feinde. Warum er allerdings, obgleich er 2006 in einem Interview beteuerte, ein Notenbankchef dürfe nicht mit Devisen handeln, dies gegen jede Vernunft dennoch tat, bleibt sein Geheimnis. Damit jedenfalls hat er sich sein eigenes Grab geschaufelt, wobei ich die Frage, was er von der fraglichen Transaktion vom 15. August tatsächlich gewusst hat, nicht für matchentscheidend halte. Bei all diesen Devisentransaktionen wurde das Reglement wohl nicht verletzt. Nur hilft ihm das angesichts seiner eigenen Vorgaben wenig und zeigt gleichzeitig, wie wertlos dieses Reglement ist.

Der Bankrat sah in der ganzen Affäre alt aus, denn er korrigierte erst auf öffentlichen Druck hin, was schon lange fällig gewesen wäre. Die Politik hat sich vom Unabhängigkeitsdogma einlullen lassen und mass der Frage des Spielraums des Eigenhandels eines SNB-Chefs zu wenig Bedeutung bei. Vordergründig haben nun Blocher und bestimmte Finanz- und Medienkreise in seinem Umfeld erreicht, was sie wollten. Die Destablisierung der SNB ist kurzfristig gelungen. Ob ein neuer Chef freilich einen anderen Kurs steuern wird, bezweifle ich. Jedenfalls braucht es als Nachfolger eine Person, die eher mehr als weniger für die dringend nötigen Finanzmarktregulierungen eintritt.

Als offenkundig erscheint aber auch, dass Blocher mit Hildebrand immer auch Bundesrätin Widmer-Schlumpf mit abschiessen will, denn zu Zeiten von Merz als Chef des Finanzdepartements stand die SNB nicht gleichermassen im Visier. Wie der nun ausgebrochene Streit zwischen dem IT-Mann der Bank Sarasin, der gar kein Whistelblower sein will, und dem SVP-Rechtsanwalt aus dem Thurgau belegt, bewegt sich Blocher auf reichlich glitschigem Terrain.

Vielleicht wird erst ein Strafverfahren aufdecken, wer beim fraglichen Datenklau welche Rolle spielte. Blochers Rolle allerdings ist äusserst bedenklich. Er spielt sich völlig haltlos als Retter der SNB auf, gleichzeitig vertuscht er weiterhin mit geradezu lächerlich anmutenden Halbwahrheiten seine eigene Rolle bei der Datenbeschaffung nur des eignen Vorteils wegen. Das ist höchst windig.

Daniel Vischer / BAZ 10.1.2012

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